Sprachtrip

01

Am Bauzaun eines Seitenflügels dieser Moschee hing dieses Schild:

ممنوع السباحة والصيد

In der ersten Zeile auf dem Schild stehen, von rechts nach links gelesen die Buchstaben: mīm, mīm, nūn, wāw,ʿayn. Zeigen Sie mit der Maus auf diese arabischen Buchstaben und lassen Sie sich deren Namen und die Transkription anzeigen.

In den Listen mit den Einträgen zu den Buchstaben werden die arabischen Buchstaben transkribiert. Der,  als ḥāʾ bezeichnete Buchstabe wird in dieser Umschrift zu einem , das ğīm zu einem ğ usw.. Machen Sie sich mit dieser Transkription vertraut und prägen Sie sich die Namen der Buchstaben ein.

Die Buchstaben des zweiten Wortes sind von rechts nach links: ʾalif, lām, sīn, bāʾ, ʾalif, ḥāʾ und ein tāʾ-marbūṭa, das Sie nicht auf der Buchstabenleiste finden. Es ist eine “Mischung” aus tāʾ und hāʾ und kennzeichnet ein Femininum. Lassen Sie sich die Namen ebenfalls auf der Buchstabenleiste anzeigen.

Vor dem dritten Wort auf dem Schild steht ein wāw, gefolgt von einem ʾalif, lām ṣād, yāʾ, dāl.

Wenn Sie ein arabisches Wort in einem Wörterbuch finden wollen, sollten Sie wissen wo Sie suchen müssen. Ein arabisches Wort beruht auf einer sog. “Wurzel”, die meist aus drei Konsonanten besteht, viele Wortbildungen beruhen aber auch auf zwei oder vier Konsonanten. Im Fall des ersten Wortes sind dies die Konsonanten mīm, nūn, ʿayn. Suchen Sie unter mīm die Wurzel m-n-ʿ . Sie können dort das Wort  mamnūʿ finden. Das erste mīm und das wāw vor dem letzten Konsonanten sind formbildende Morpheme, in diesem Fall für ein Partizip. Das wāw in Verbindung mit dem vorangehenden Vokal u wird mit einem langen ū transkribiert.

Suchen Sie dann das Wort sibāḥa unter der Wurzel sīn, bāʾ, ḥāʾ. Das zweite Wort auf dem Schild hat am Anfang den Artikel al und am Ende die Femininendung tāʾ-marbūṭa. Feminina sind im Glossar übrigens mit (f) gekennzeichnet  Das ʾalif vor dem ḥāʾ dient zur Bildung eines langen ā.

Suchen Sie dann das Wort ṣayd unter der Wurzel ṣād, yāʾ, dāl. Das dritte Wort auf unserem Schild ist auch durch den Artikel determiniert und durch die Konjunktion wa, einem alleinstehenden wāw mit dem vorangegangenen Wort syntaktisch verbunden. Man könnte auch hier annehmen, dass das yāʾ vor dem dāl wieder zur Längung des Vokals i dient, dem ist jedoch in diesem Fall nicht so. Auch wären die Lesweisen ṣayyid oder ṣuyud theoretisch möglich. Diese Varianten würden jedoch nichts an der unvokalisierten Schreibweise des arabischen Wortes ändern. Es ist daher essentiell für das Auffinden eines Wortes, seine unterschiedlichen Lesarten bei der Suche und der Übersetzung zu berücksichtigen.

Haben Sie die Lösung gefunden? “Verboten das Schwimmen und der Fischfang”, d.h.: Schwimmen und Angeln (ist) verboten. Es handelt sich um einen sog. Nominalsatz. “Schwimmen” und “Angeln” stehen im determinierten Nominativ und “verboten” ist ihr undeterminiertes Prädikat.

Sie verfügen nun über arabische Schriftsprachenkenntnisse. Sie haben die Namen der arabischen Buchstaben und ihre Transkription kennengelernt. Sie haben die Femininendung tāʾ-marbūṭa kennengelernt und die ersten drei Substantive nach professionellen Kriterien in einem Wörterbuch nachgeklickt. Sie haben erfahren, dass die Buchstaben ʾalif, yāʾ und wāw (neben weiteren Eigenschaften) auch zur Längung von Vokalen dienen.

02

Über einer Marktstrasse in Essawira, Marokko hing im April 2008 dieses Schriftband.

Der Satz beginnt rechts oben mit dem Wort ar-rağrāğīyūn. Versuchen Sie diese Lesweise mithilfe der Buchstabenbezeichnungen nachzuvollziehen. Die ersten beiden Buchstaben sind ʾalif und lām. Dies ist der bestimmte Artikel (der, die, das) für Singular und Plural (Einzahl und Mehrzahl) eines Substantivs gleichermassen. Einige Konsonanten werden in der Aussprache verdoppelt, während das l des Artikels entfällt: Nicht al-rağrāğ sondern ar-rağrāğ.  Das Wort beruht auf den Wurzelkonsonanten rāʾ, ğīm, rāʾ, ğīm. Versuchen Sie diese Wurzel entsprechend ihrer Stelle in der Ordnung des arabischen Alphabets zu finden. Es handelt sich in diesem Fall um eine Wurzel, die auf vier Konsonanten beruht, die meisten arabischen Wortbildungen beruhen hingegen auf drei Wurzelkonsonanten.

Die Bedeutung ist im 1. Stamm “beben”, “in Bewegung sein” etc.. Im Glossar ist an erster Stelle stets die Verbalform für die 3.Person singular Perfekt angegeben:  rağrağa “er/es hat gebebt” o. “er/es war in Bewegung”. Dann folgen die Einträge für die anderen, von den verschiedenen Stämmen abgeleiteten Wortarten.

Das ī am Ende des Wortkerns zeigt an, dass der Infinitiv “in Bewegung sein” hier adjektivisch verwendet wird. rağrāğī heisst also “in Bewegung seiend”.

Es bleibt das Wortende ūn, welches anzeigt, dass es sich hier um einen Plural handelt, also geht es hier um “die in Bewegung Seienden”.

Bei dem nächsten  Wort müssten Sie die drei Wurzelkonsonanten schon identifizieren können. Es handelt sich um einen Plural. Bedenken Sie, dass sich die arabischen Buchstaben gemäss ihrer Position im Wort in ihrer graphischen Form verändern. Punkte über oder unter den Buchstaben bleiben dabei stets erhalten. Über dem د stehen ein fatḥa und ein tašdīd (siehe ftḥ und šd).

Das zweite Wort ist ein determinierter Substantiv im Singular. Dem “Thron”, der aus der Wurzel ʿayn, rāʾ, šīn gebildet wird sind zwei determinierte Adjektive nachgestellt, die ihn näher bestimmen: das dritte Wort hat am Ende wieder den Buchstaben, der die Form des Adjektivs anzeigt. Die drei Wurzelkonsonanten sind hier ʿayn, lām, wāw.  Das zweite Adjektiv  hat diesmal kein yāʾ am Ende, sondern hier ist eins vor dem letzten Konsonanten eingefügt worden. Der Artikel ist hier kalligraphisch geschwungen, was zur Folge hat, dass der erste Konsonant mīm zu einer kleinen Schleife wird.

Den “Dienern” sind keine Eigenschaften nachgestellt, die andernfalls ebenfalls im Plural stehen müssten. Stattdessen folgt ein neues Substantiv im Singular masculin, dessen Eigenschaften von zwei Adjektiven im Singular masculin näher spezifiziert werden. Es handelt sich also hier um eine Genitivverbindung, bei der der Genitiv mit zwei Eigenschaften näher beschrieben wird: “Diener des gepriesenen himmlischen Thrones”.

Den Wurzelkonsonanten des nächsten Wortes ist ein yāʾ präfigiert,  wāw und nūn suffigiert und ein ʾalif infigiert. Es bleiben bāʾ, rāʾ und kāf als Wurzelkonsonanten. Über dem yāʾ steht ein ḍamma um anzuzeigen, dass das yāʾ mit einem folgenden u artikuliert wird. Nach dem ersten Wurzelkonsonanten bāʾ wird ein ʾalif infigiert. Bei dieser Form handelt es sich um den III. Verbalstamm der Wurzel bāʾ, rāʾ, kāf. Die beiden suffigierten Buchstaben kennzeichnen den Impferfekt Indikativ in der 3. Person Plural für dieses Verb. Finden sie die Bedeutung in der Arabisch-Deutsch Liste.

Beim zweiten Wort handelt es sich um einen “äusseren Plural”, der an der suffigierten Endung ʾalif, tāʾ (-āt) zu erkennen ist. Übrig bleiben hier die Wurzelkonsonanten ḫāʾ, ṭāʾ, wāw. Finden Sie auch diesen Begriff.

Die Imperfektform lässt sich übersetzen mit “sie sprechen (für etwas) einen Segenswunsch aus” , in diesem Fall für “Schritte”, die im folgenden näher bestimmt werden.

Wessen Schritte sind gemeint? Die des ʿāhil, sie finden das Wort unter ʿayn, hāʾ, lām.  Die nachgestellte Eigenschaft in Form eines Adjektivs finden sie unter fāʾ, dāl, yāʾ.

Bei der Person handelt es sich um Mohammed VI, den gegenwärtigen König von Marokko. Beim Namen des Königs werden die beiden mīm durch den Duktus wieder zu kleinen Schleifen zwischen denen das ḥāʾ in einer fast senkrechten Zeichenfolge plaziert wird, und das sīn des folgenden Wortes hat vom Schreiber hier wieder fatḥa und ḍamma erhalten, weil es sich hierbei um einen Buchstaben handelt, der sich dem Lam des Artikels assimiliert. Eine Liste der Konsonanten, die von der “Assimilation” betroffen sind, finden sie unter dem Grammatikbutton der Arabisch-Deutsch Liste.

Die beiden letzten Worte bestehen aus einem Perfekt maskulin singular mit einem suffigierten Personalpronomen und dem Wort Allah. Das Perfekt kann im Arabischen neben der Verwendung zur Bezeichnung der abgeschlossenen Handlung auch zum Ausdruck eines Wunsches verwendet werden. Das Satzsubjekt ist dem Verb in der Regel nachgestellt, so dass man hier übersetzen kann: “es möge ihm beistehen Allah”, d.h.: “Gott möge ihm beistehen”. Das Perfekt müssten Sie problemlos im Glossar finden, nach “Allah” müssen Sie unter ʾalif, lām, hāʾ suchen.

Der Konjunktion wa folgt das Personalpronomen hum für die dritte Person masculin plural: “und sie sind…”. Die nächsten beiden Worte sind zwei verschiedene Formen derselben Wurzel: ğīm, nūn, dāl. Beide stehen als nähere Bestimmung für das Personalpronomen im Plural. Das zweite von beiden ist ein Partizip des II.Stammes mit einem präfigierten Mim, verdoppeltem mittlerem Konsonant und suffigierter Pluralendung.

Das Wort warāʾ ist eine Präposition, es bedeutet “jenseits von”, “hinter” etc.. Es findet sich unter der Wurzel wāw, rāʾ, ʾalif. Es fällt Ihnen vielleicht auf, dass viele Substantive durch ein, vor dem letzten Wurzelkonsonanten eingefügtes ʾalif, yāʾ oder wāw gebildet werden.

Das letzte Wort in dieser Gruppe ist ein zweiradikaliges Substantiv mit einem tāʾ (von der Femininendung) und einem suffigierten  hāʾ als Personalpronomen für die 3.P.m.sg.. Sie finden das Wort unter der Wurzel ğīm, lām. Im Glossar sind Substantive mit der Femininendung mit einem “(f)” gekennzeichnet.

Das nächste Wort wird von der Präposition li (für, zur etc.) eingeleitet, es handelt sich um einen Infinitiv des II. Stammes einer ebenfalls zweiradikaligen Wurzel, die Sie unter ḥāʾ, qāf finden. Der dazugehörige determinierte Genitiv ist ein sog. “innerer Plural” aus der Wurzel hāʾ, dāl, fāʾ.

Das letzte Wort ist den “Zielen, Zwecken” wieder zur näheren Bestimmung als Adjektiv nachgestellt. Es hat seinem Bezugswort im Plural entsprechend die Femininendung erhalten, wie es bei Adjektiven, die sich auf Gegenstände im Plural beziehen der Fall ist. Stünde “ein Zweck” voran, entfiele die Femininendung. Sie finden die Wurzel unter nūn, bāʾ, lām.

Dem ersten Wort geht wieder die Präposition li voran, die sich demʾalif des Artikels assimiliert, von dem dann nur noch das lām übrigbleibt, das mit dem mīm als präfigiertem Morphem bei Partizipien verbunden ist. Nun sind die Wurzelkonsonanten deutlich auszumachen und die Femininendung deutlich zu erkennen. Sie finden das Wort unter bāʾ, dāl, rāʾ.

Das folgende Wort ist durch den Artikel determiniert, hat ein der Wurzel suffigiertes yāʾ und die Femininendung, woraus zu schliessen ist, dass es sich auf das vorangegangene Substantiv im Feminin Singular zu seiner näheren Bestimmung bezieht. Sie finden es unter wāw, ṭāʾ, nūn.

Das nächste Begriffspaar wird wieder durch die Präposition li eingeleitet und auch hier schwindet das ʾalif des Artikels, dessen lām jetzt mit einem tāʾ verbunden ist, das in diesem Fall als präfigiertes Morphem zur Bildung eines Infinitivs der Wurzel nūn, mīm, yāʾ dient. Bei diesem Infinitiv handelt es sich um ein Femininum, daher die Femininendung, die sich hier in ihrer Schreibweise deutlich von der Schreibweise der Femininendung des ersten Wortes in dieser Gruppe unterscheidet, weil sie im Gegensatz zu jenem mit dem vorangehenden Buchstaben verbunden ist. Die Wurzel  nūn, mīm, yāʾ gehört zu den Wurzeln mit einem sog. “schwachen” Wurzelkonsonanten, worunter wāw und yāʾ verstanden werden, wenn sie eine oder mehrere Stellen unter den Wurzelkonsonanten einnehmen.

Das letzte Wort lässt sich entweder als Adjektiv zum vorangegangenen Substantiv interpretieren oder als Genitiv zu demselben. Als Adjektiv kann man es mit “menschlich” übersetzen, als Substantiv mit “Menschheit”. Entscheiden Sie selbst.

Die in-Bewegung-Befindlichen sind Diener des gepriesenen himmlischen Thrones, sie sprechen ihren Segenswunsch für die Schritte des teuren Monarchen Mohammed VI aus, Allah möge ihm beistehen. Sie sind die einberufenen Heere hinter seiner Majestät zur Verwirklichung der erhabenen Ziele der nationalen Initiative für die menschliche Entwicklung.

(…)

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